Interview zur M‘era-Lesung: Markus Heitz und Christian von Aster über überbezahlte Stühle, sedierte Gruftis und ein ausschlagendes Mainstreamometer

Christian von Aster, M'era Luna-Festival 2016 / Foto: Dunkelklaus
Christian von Aster, M'era Luna-Festival 2016 / Foto: Dunkelklaus

Für die Gruftboten startet das M‘era Luna stets schon am Freitagabend - mit der inzwischen traditionellen Lesung im Hangar. Immer dabei: die schreib- wie sprachgewaltigen Herren Markus Heitz und Christian von Aster. Der Gruftbote hat beiden Autoren die gleichen Fragen gestellt. Hier ihre - möglicherweise mit geruchlosen, beruhigenden Substanzen getränkten - Antworten. Viel Spaß! 

Gruftbote: Die Lesung zum M’era-Auftakt wird von Jahr zu Jahr immer beliebter. Seid Ihr jetzt Mainstream?

 

Christian von Aster: Immer beliebter? Ernsthaft? Mon dieu! Warum hat mir das nie jemand gesagt? Es gibt ja nichts Schlimmeres, als erleben zu müssen, wie das was man tut, Zuspruch findet. Schrecklich. Ganz schrecklich. Ich weiß jetzt gar nicht, was ich sagen soll.

 

Markus Heitz: Wir sind im Gothstream – mitten im Schwarz. Fein hier!

Markus Heitz:, M'era Luna-Festival 2017 / Foto: Dunkelklaus
Markus Heitz:, M'era Luna-Festival 2017 / Foto: Dunkelklaus

Gruftbote: Wann zieht Ihr auf die große Bühne um?

 

Christian von Aster: Spätestens wenn unser Mainstreamometer (das ich übrigens gerade mal herausgeholt habe und das gegenwärtig einen Ausschlag von 35 hat) einen Wert von 90 anzeigt.

 

Markus Heitz: Da ist es mir zu hell und zu warm. Nein, nein, der kleine Hangar mit seiner Industrial-Kuschel-Atmosphäre ist schon besser, so am lauen Abend. Und auf der großen Bühne oder im großen Hangar sind die Wege so lang. Mhh. Sollte ich mal eine Sport-Akrobatik-Lesung machen, frage ich für die große Bühne an. Irgendwas mit Ninjas. Die tragen ja auch Schwarz. Oder Priester. Aber das hat Christian bereits in Beschlag mit seinen Schwestern der Begrenzten Barmherzigkeit. Mit denen gehört er schon auf die große Bühne… Ich frag ihn mal, wann er das macht.

Gruftbote: Der Stuhl, auf dem Ihr bei der Lesung immer sitzen müsst, ist ja wirklich schön. Aber irgendwann wird er zusammenkrachen. Wer von Euch wird ihn wohl niederringen? Wie viel würdet Ihr darauf wetten, dass der jeweils andere ihn kaputtsitzen wird?

 

Christian von Aster: Wenn ich auf dem Stuhl sitze, sieht man ihn ja nicht einmal mehr. Aber so wie wir ihn kennen, wird der Stuhl womöglich länger stehen als wir. Und besser bezahlt wird er auch. Was aber daran liegt, dass er das bessere Management hat.

 

Markus Heitz: Ich behaupte mal, dass der Gewichtsvorteil klar auf meiner Seite ist. Deswegen fange ich auch immer an: Hält er mich aus, können die anderen beruhigt Platz nehmen. Ich bin sozusagen der Vorsitzer, nicht Vorsitzender. Einer muss den Job machen. Sollte das Ding mal unter mir zusammenkrachen, lese ich halt einfach im Liegen weiter. So aus dem Off und mit Grabesstimme. Oder next Level: auf dem Tisch sitzend! Wooooow, Lesen am Limit.

Christian von Aster, M'era Luna-Festival 2017 / Foto: Dunkelklaus
Christian von Aster, M'era Luna-Festival 2017 / Foto: Dunkelklaus

Gruftbote: Warum muss eigentlich immer Markus anfangen?

 

Christian von Aster: Das ist eine vor allem optisch motivierte Entscheidung.

 

Markus Heitz: Weil ich früher mal den Schluss gemacht habe. Dumme Idee, sehr dumme Idee! Da Christian mit seiner humoresk-grandiosen Art die Menge damals so was von in den mega-schwarzlustig-Modus katapultierte, hatten wir Nachfolgenden es verdammt schwer. Passierte uns genau EINMAL. Wir sind lernfähig. Doch, doch.

Gruftbote: Und warum darf Christian immer das letzte Wort haben?

 

Christian von Aster: Das ist ebenfalls eine vor allem optisch motivierte Entscheidung.  

 

Markus Heitz: Keiner kann das Pastorale so gut wie er. Außer Ulrich Wickert. Der damals immer die „gerrruhsame Nacht“ wünschte. Aber da Herr Wickert keine Zeit hat und den – glaube ich – keiner mehr von den Jüngeren kennt, ist das DER Job für  Christian. Das Wort zum Wochenende, sozusagen. „Gehet hin und feiert in Frieden."

David Grashoff, M'era Luna-Festival 2015 / Foto: Dunkelklaus
David Grashoff, M'era Luna-Festival 2015 / Foto: Dunkelklaus

Gruftbote: Wo ist eigentlich der Friedhof der Mittel-Leser?

 

Christian von Aster: Das ist mir, da wir die Mittel-Leser inzwischen im Regelfall am Leben lassen, tatsächlich nicht bekannt.

 

Markus Heitz: Hahaha, den gibt es nicht. Dieses Jahr darf ja El Grasidente aka David Grashoff zum zweiten Mal in den Mittelteil. Der hat überlebt und rockt die Bühne ebenfalls auf seine eigene Art. Poetry-Stand-up-Sit-down-Programm vom Besten, böse-clever und auf vielfache Weise -gründig. So soll es sein.

Gruftbote: Wie schafft Ihr es, so viele Leute dazu zu bringen, ruhig zuzuhören?

 

Christian von Aster: Wenn ich das wüsste, würde ich dieses Wissen ohne zögern anwenden. Vor allem bei erwähntem M'era-Auftakt.

 

Markus Heitz: Wir besprühen die Halle vorher großflächig mit beruhigenden Substanzen. Geruchlos. Wir sind halt Füchse. Aber eigentlich brauchen wir das nicht. Ich freue mich jedes Jahr, wie angenehm und großartig diese Herrschaften sind. 2500 Leute! Die sitzen und zuhören. Wenn ich bedenke, dass ich mal Lehrer werden wollte und es in einer Klasse von 30 Mann gewiss weniger gäbe, die zuhören – allergrößten Respekt. Allerbestes Publikum!

Markus Heitz, M'era Luna-Festival 2016 / Foto: Dunkelklaus
Markus Heitz, M'era Luna-Festival 2016 / Foto: Dunkelklaus

Gruftbote: Was macht Ihr eigentlich, wenn der Ansturm nach der Lesung auf Euren Büchertisch und Eure Autogramme vorbei ist?

 

Christian von Aster: Voraussichtlich voll bekleidet kaltgetränkgestützte Diskussionen in geschütztem Zeltumfeld mit grenzwertig angenehmen Menschen außerordentlicher Außerordentlichkeit führen und dabei versehentlich unbesonnene Zusagen für verschiedene Projekte geben. Wie immer.

 

Markus Heitz: Schnell aus der Halle flüchten, weil die Gabelstapler nicht bremsen, wenn man die Fahrtrichtung quert. Niemals in die Umbaumaschine laufen, oberste Regel. Und danach beginnt der gemütliche Abend. Also die Nacht genießen, mit Leuten quatschen, Bierchen trinken und mich freuen, dass ich das alles machen darf, was ich mache. Und mich wieder und wieder daran erinnern, welch Privileg das ist. Ohne Scheiß. Danke dafür, LeserInnen!

Die Gruftboten freuen sich schon auf das M'era Luna 2018 / Foto: Dunkelklaus @ M'era Luna 2016
Die Gruftboten freuen sich schon auf das M'era Luna 2018 / Foto: Dunkelklaus @ M'era Luna 2016

Gruftbote: Auch wir sagen Dankeschön - fürs Interview. Auf eine vergnügliche Lesung und ein tolles M‘era Luna!